Kleine Schritte, große Wirkung – unser Weg zu mehr Verantwortung
Wir sind ein Hotel. Kein Labor, kein Forschungsinstitut, kein Öko-Vorzeigeprojekt. Aber wir sind Gastgeber – mit Herz, Verstand und dem festen Willen, Dinge besser zu machen.
Wir wissen: Perfekt sind wir (noch) nicht. Und wir glauben auch nicht, dass Nachhaltigkeit mit Verboten oder Verzicht beginnen muss. Für uns heißt es vielmehr: bewusster entscheiden, wo wir können. Mit kleinen Veränderungen im Alltag, die – in der Summe – Großes bewirken.
Wenn wir morgens das Buffet mit regionalen Bio-Produkten bestücken, statt auf Masse zu setzen. Wenn unsere Gäste freiwillig auf die tägliche Zimmerreinigung verzichten und dabei tausende Liter Wasser sparen. Wenn ein wiederverwendbarer Becher auf dem Zimmer plötzlich zum Symbol für weniger Müll wird.
Jede dieser Entscheidungen ist ein Schritt in Richtung Zukunft – und wir gehen diesen Weg gemeinsam. Mit unserem Team. Mit unseren Partnern. Und mit unseren Gästen, die sich für bewussten Urlaub entscheiden.
In diesem Interview erzählt Melina, unsere stellvertretende Empfangsleitung und frisch zertifizierte Nachhaltigkeitsmanagerin, wie Nachhaltigkeit im Beach Motel - ehrlich, pragmatisch und mit viel Begeisterung gelebt wird
Melina, gab es einen Moment, in dem dir besonders bewusst wurde, wie wichtig Nachhaltigkeit für uns alle ist – auch im Hotelalltag?
Melina:
Der Wendepunkt kam während meiner Ausbildung im Frühstücksservice: Jeden Morgen habe ich mit eigenen Augen gesehen, wie viele einwandfreie Lebensmittel im Müll landen. Diese Verschwendung war erschütternd. Wenn man bedenkt, dass auf der Welt viele Menschen hungern, wird einem die Absurdität dieser Überflussgesellschaft erst richtig bewusst. Mir wurde klar: Gerade in der Hotellerie – wo täglich große Mengen an Lebensmitteln verarbeitet werden – braucht es klügere, verantwortungsvollere Lösungen.
Was bedeutet Nachhaltigkeit für dich – persönlich und im Job?
Melina:
Persönlich bedeutet es für mich, bewusster zu leben: Weniger Konsum, mehr Achtsamkeit. Ich achte darauf, was ich kaufe, wie ich reise und wie ich Ressourcen nutze.
Beruflich heißt Nachhaltigkeit für mich, den Hotelalltag so zu gestalten, dass Umweltbewusstsein nicht mit Verzicht gleichgesetzt wird. Es geht darum, Gästen einen umweltschonenden Aufenthalt zu ermöglichen – ohne dass der Komfort darunter leidet.
Ein gutes Beispiel:
Bei uns gibt es Nachfüllspender mit Naturkosmetik statt Mini-Plastikfläschchen – besser für die Umwelt und angenehmer für die Gäste. Und beim Frühstück setzen wir lieber auf ausgewählte, regionale Leckereien statt auf ein überladenes Buffet mit viel Verpackung.
Was macht das Beach Motel konkret im Bereich Nachhaltigkeit? Gibt’s Beispiele, die dir besonders am Herzen liegen? Wie spüren Gäste im Alltag, dass ihr nachhaltig handelt – z. B. beim Frühstück, im Housekeeping oder an der Rezeption?
Melina:
Hier ein paar Beispiele, was wir bereits in Bezug auf Nachhaltigkeit umgestellt haben:
🌿 Zimmer & Housekeeping
• Verzicht auf tägliche Zimmerreinigung → alle zwei Tage = Ersparnis pro Reinigung:
130 ml Reinigungsmittel, 11 Liter Wasser (ca. 1 Minute duschen), 0,05 kWh Strom
• Wassersparende Duschköpfe in allen Zimmern
• Keine Minibars auf den Zimmern, dafür einen Gemeinschaftskühlschrank an der Rezeption → weniger Stromverbrauch
• Mehrwegbecher auf den Zimmern („Ein Becher für alles“)
• Eigene Pfand-Kaffeebecher (produziert in Berlin, 100 % Recyclingsystem)
🍽️ Frühstück & Food Waste
• Fokus auf regionale & saisonale Produkte (teils in Bio-Qualität)
• Buffet wird ab 11:30 Uhr nur noch in kleinen Portionen nachgefüllt
• Kooperation mit Too Good To Go:
714 gerettete Überraschungstüten = 1,93 Tonnen CO₂ eingespart
(entspricht ca. 14.850 km Autofahrt – von Hamburg bis Sydney!)
• Keine einzeln verpackten Portionen (z. B. Butter) → weniger Verpackungsmüll
• Bewusstes Einsetzen von Lebensmitteln
Kichererbsensaft von den Frühstückskichererbsen wird am Abend in der Bar als veganer Ersatz für Eiweiß in unseren Cocktails verwendet
⚡ Energie & Ressourcen
• Ökostrom aus der Region
• Gemeinsamer Gästekühlschrank statt Minibars
• Planung für Photovoltaik-Anlagen und Speicherlösungen (Zukunftsprojekt)
🚲 Mobilität & Region
• Kostenfreie Nutzung der E-MINIs
• Fahrradverleih direkt am Hotel → Gäste können das Auto stehen lassen
• Einkauf bei lokalen Partnern wie James Farm & Trollebüller Eis – support your locals!
💛 Engagement & Soziales
• Viva con Agua-Suite: 20 % des Übernachtungspreises gehen an Viva con Agua
→ ca. 8.000 € pro Jahr für sauberes Trinkwasser weltweit
• Faire Arbeitsbedingungen & Teamkultur
• Werteorientiertes Arbeiten, Schulungen & Mitgestaltung
• Offene Kommunikation & Respektvolles Miteinander
All das zeigt: Es braucht nicht immer die große Geste – viele kleine Veränderungen machen am Ende den Unterschied.
Wird Nachhaltigkeit bei euch auch wirtschaftlich gedacht?
Melina: Auf jeden Fall. Wir setzen auf langlebige, effiziente Lösungen – ob bei Energie, Beschaffung oder Personal. Wenn wir zum Beispiel auf tägliche Reinigung verzichten, sparen wir Ressourcen und gleichzeitig Betriebskosten. Nachhaltigkeit lohnt sich – auch wirtschaftlich.
Wird Nachhaltigkeit auch bei der Auswahl von Partnern und Dienstleistern berücksichtigt? (z. B. regionale Produkte, faire Arbeitsbedingungen -> James Farm, Trollebüller,…)
Melina:
Auf jeden Fall – bei der Auswahl unserer Partner achten wir darauf, dass die Produkte fair und nachhaltig produziert werden. Kurze Transportwege sind uns dabei genauso wichtig. Deshalb beziehen wir viele unserer Lebensmittel direkt von unserer James Farm – regional, frisch und mit gutem Gewissen.
Was bedeutet für euch echter, nachhaltiger Urlaub – mit Blick auf Mensch, Natur und Erholung?
Melina:
Für uns bedeutet echter, nachhaltiger Urlaub vor allem pure Erholung – eine Auszeit, in der man wirklich zur Ruhe kommen kann. Gleichzeitig spielt Menschlichkeit eine große Rolle: Wir legen Wert darauf, auf Augenhöhe miteinander umzugehen und gegenseitigen Respekt zu leben. Und natürlich gehört dazu ein bewusster und respektvoller Umgang mit den natürlichen Ressourcen, damit auch zukünftige Generationen diese besondere Umgebung genießen können.
Es geht nicht ums Perfekt-Sein – sondern darum, gemeinsam gute Entscheidungen zu treffen.
Wie geht ihr mit Widersprüchen um – zum Beispiel, wenn Gäste Wünsche äußern, die euren Nachhaltigkeitszielen widersprechen?
Melina:
In solchen Situationen setzen wir auf offene und transparente Kommunikation. Wenn Gästewünsche nicht direkt zu unseren Nachhaltigkeitszielen passen, erklären wir unsere Beweggründe klar – immer auf Basis von Zahlen, Daten und Fakten. Denn alles, was wir tun, hat eine messbare Grundlage. So schaffen wir Verständnis und finden meistens gemeinsam eine Lösung, die sowohl den Wunsch der Gäste als auch unsere Werte berücksichtigt.
Gibt es Angebote &/oder Events, die die Gäste aktiv mit einbinden?
Melina:
Ja, bei uns können sich Gäste aktiv einbringen – zum Beispiel bei unseren regelmäßigen Beach Clean-Ups, die wir gemeinsam organisieren. Wer die Umgebung umweltfreundlich erkunden möchte, kann ganz unkompliziert das Fahrradangebot vom Cruiser King nutzen. Außerdem gibt es die Möglichkeit, unsere Viva con Agua-Suite zu buchen – ein Teil der Erlöse fließt direkt in Trinkwasserprojekte weltweit.
Was ist aktuell die größte Herausforderung, wenn es um Nachhaltigkeit im Hotelbetrieb geht? Wie sieht ein nachhaltiges Hotel zukünftig deiner Meinung nach aus?
Melina:
Eine der größten Herausforderungen heute ist es, Nachhaltigkeit wirklich ganzheitlich im Hotelbetrieb zu denken – also nicht nur ökologisch, sondern auch sozial und wirtschaftlich. Wenn ich an 2030 denke, sehe ich ein Hotel, das klimaneutral oder sogar klimapositiv arbeitet – durch eigene Energieproduktion, intelligente Verbrauchssteuerung und moderne Speicherlösungen. Digitalisierung spielt dabei eine zentrale Rolle, aber mit echtem Mehrwert: KI-gestützte Prozesse helfen, Energie zu sparen, Food Waste zu vermeiden und Gästen individuelle, nachhaltige Optionen anzubieten. Gleichzeitig ist das Hotel stark in die Region eingebunden – mit lokalen Produzent:innen, Initiativen und Talenten. Und im Betrieb selbst steht die Kreislaufwirtschaft im Fokus: vom Upcycling bis zur Bioabfallverwertung. Nachhaltigkeit ist dann kein Extra mehr – sondern ganz selbstverständlich Teil des großen Ganzen.
Wenn du unbegrenztes Budget hättest – was würdest du im Beach Motel als Erstes verändern?
Melina:
Wenn ich unbegrenzt Budget hätte, würde ich als Erstes auf jedem Dach Photovoltaik-Anlagen installieren und eigene Energiespeicher schaffen, um komplett autark und klimafreundlich zu sein. Außerdem würde ich eine Zero-Waste-Küche etablieren, die gemeinsam mit Partnern aus Lebensmittelresten kreative neue Gerichte zaubert. Auch bei den Gästebetten und Textilien würde ich auf Cradle-to-Cradle-Produkte setzen, also Materialien, die dauerhaft im Kreislauf bleiben. Und nicht zuletzt käme eine smarte Wassersteuerung für Housekeeping und Sanitärbereiche – so sparen wir noch mehr Ressourcen und schonen die Umwelt.
Was sind die nächsten Schritte im Beach Motel SPO?
Melina:
Die nächsten Schritte im Beach Motel SPO sind gerade in Planung – ein genauer Fahrplan entsteht aktuell noch. Nachhaltigkeit liegt uns sehr am Herzen, und wir möchten als Vorreiter in der Tourismusbranche zeigen, wie verantwortungsvolles Handeln gelingt. Geplant sind unter anderem ein digitaler Check-In, um Abläufe zu optimieren, sowie neue Zimmerkarten, die wir von einem regionalen Anbieter beziehen wollen, um noch nachhaltiger zu werden.
Nachhaltigkeit baut auf drei Säulen auf: Ökologie, Ökonomie – und Soziales. Darum endet unser Blick nicht bei Stromsparlampen oder Bio-Marmelade. Für uns gehört ein respektvolles Miteinander genauso dazu wie faire Arbeitsbedingungen, Teamkultur und gesellschaftliches Engagement. Denn nur wenn Menschen sich wohlfühlen, können sie gemeinsam etwas bewegen.
Wie schafft ihr es, ein Arbeitsumfeld zu gestalten, in dem sich alle wohlfühlen und langfristig bleiben wollen?
Melina:
Wir setzen auf Vertrauen statt Kontrolle – Eigenverantwortung wird bei uns großgeschrieben. Wer eine gute Idee hat, bekommt den Raum, sie umzusetzen. Gleichzeitig wissen wir, dass sich Arbeit und Privatleben nicht immer strikt trennen lassen, deshalb begegnen wir uns mit Flexibilität, Verständnis und Rücksicht. Jede:r bringt unterschiedliche Erfahrungen mit – ob Quereinsteiger:in oder Profi – wir schauen individuell, wie wir Entwicklung ermöglichen können. Und was nie zu kurz kommt: das Teamgefühl. Flache Hierarchien, offene Türen und gemeinsames Lachen – auch mal bei einem Feierabenddrink – machen unser Arbeitsumfeld besonders.
Welche Werte oder Überzeugungen spielen im Team eine wichtige Rolle – auch abseits von Regeln und Maßnahmen?
Melina:
Unsere hotelübergreifenden Werte sind die Basis für unser Miteinander – sie prägen, wie wir zusammenarbeiten und miteinander umgehen. Der wichtigste Wert für uns ist dabei ganz klar: Begeisterung. Wir machen die Dinge nicht, weil wir müssen, sondern weil wir wirklich Lust darauf haben – für unsere Gäste und füreinander im Team.
Nachhaltigkeit im Beach Motel heißt nicht: Verzicht und Regeln. Sondern: bewusster leben, gemeinsam anpacken und den Urlaub mit einem richtig guten Gefühl genießen. Es geht um kleine Dinge, die zusammen einen Unterschied machen – für die Umwelt, für uns als Team und für alle, die hier ihre Auszeit verbringen.
Für Melina zeigt sich das an ihrem ganz persönlichen Lieblingsort: dem Plateau am Key West Gebäude. „Von dort hat man den besten Blick aufs Meer. Einfach hinsetzen, durchatmen und den Moment genießen – mehr braucht’s manchmal gar nicht.“ Und genau dieses Gefühl wollen wir auch unseren Gästen mit auf den Weg geben: entspannt, ehrlich und mit Blick für das, was zählt.

